52 km wandern, um 9 Loch zu golfen

Matschfüße

Endlich war es soweit. Ich wollte mal rausfinden, wie fit ich schon für meine Aktion im Juni bin.
Seit November 2021 trainiere ich für meinen Golfmarathon, der im Juni wieder als Charityaktion stattfinden soll. Bis dahin sollte ich richtig fit sein und daher steigere ich nach und nach meine Trainingsintensität. Ein bisschen Radfahren, etwas joggen, ein bisschen golfen und wieder etwas joggen, golfen und ein bisschen mehr Radfahren. So sahen meine letzten Trainingswochen aus. Das klingt nicht gerade nach Überlastung, aber regelmäßig und vor allem in Bewegung bleiben; das ist die Devise.
Für März hatte ich mir meinen Härtetest vorgenommen, um zu erfahren, wie mein Trainingszustand war. Und der Tag im März war gekommen. Es stand eine 50km-Wanderung mit anschließender 9 Loch Golfrunde an. Das wiederum klingt für mich äußerst sportlich. Meinen ersten und letzten Marathon absolvierte ich mit 19 Jahren. Und nun lief ich alter Knochen eine weitere Strecke, als die Marathondistanz. Wie verrückt muss man eigentlich sein?

Zwei Tage vor meiner Wanderung bekam ich von Freunden „Dirks Wandertüte“ geschenkt. Diese enthielt viele wichtige Hilfsmittel, wie Pferdesalbe, Magnesium, Traubenzucker und Sonnencreme. Es dämmerte mir, dass es doch eine echte Herausforderung werden würde. Nun gut. Am Abend vor meinem Lauf holte mich mein Vater mit meinem gesamten Wandergepäck ab. Ich verlebte einen netten Spieleabend bei meinen Eltern und wurde mit Nudeln, Gemüse und Scampi sowie zwei Gläsern Weißwein gut gefüttert. Ich habe übrigens alle drei Spielrunden gewonnen, das war doch schon mal ein gutes Omen für die anstehende Tour.

Pünktlich um 5:55 Uhr ertönte der Wecker und ich hatte gleich einen leckeren Kaffeeduft in der Nase. Meine Mutter war bereits aufgestanden und hatte ein tolles Frühstück vorbereitet. Ich kann mich nicht daran erinnern, jemals mit meiner Familie um 6:25 Uhr beim Frühstück mit Brötchen und Ei gesessen zu haben. Das hatte aber auch etwas für sich.
Optimal im Zeitplan und bestens gestärkt, startete ich pünktlich um 6:55 Uhr von meinem Elternhaus. Die Temperatur war noch frisch, aber mich sollte den ganzen Tag bestes Frühlingswetter begleiten. Doch bei fünf Grad bemühte ich mich darum, mich schnell warmzulaufen. Mein Vater verabschiedete mich und es gab die ersten Fotos meiner 50km-Wanderung von Itzehoe zum GolfPark Weidenhof bei Pinneberg.

Der erste Kilometer führte mich an zwei Tankstellen vorbei. Die Benzinpreise sind derzeit so unfassbar hoch, dass es mir ein Lächeln ins Gesicht zauberte. So günstig wie jetzt, habe ich diese Strecke noch nie zurückgelegt. Nachhaltig und ökologisch sinnvoll dazu. Am Itzehoer Bahnhof vorbei, über die Delftorbrücke, die über die Stör führt, zog es mich aus der Stadt. Bereits nach 40 Minuten und 4km Laufstecke erreichte ich den Ortsteil Nordoe von Breitenburg.

Hier verließ ich die Hauptstraße und bog in das Naturschutzgebiet „Binnendünen Nordoe“ ein. Mir bot sich eine tolle Landschaft, die ich bisher tatsächlich nicht kannte. Bei den „Deckmannschen Kuhlen“ machte ich einige schöne Fotos. Ich fühlte mich ein bisschen wie im Wanderurlaub. Hier hätte ich mich noch etwas länger aufhalten können, aber ich hatte ja noch über 40 km vor mir.

In Kremperheide endete das Naturschutzgebiet direkt am örtlichen Bahnhof. Kurz überlegte ich, ob es nicht doch einfacher wäre, den Zug zu nehmen. Nein, natürlich war das keine ehrliche Option. Ich schaute auf meine Routenplanung, die mich über Krempermoor nach Krempe führte. Zwischendurch lag ein verwilderter Wanderschuh auf meinem Weg. Sollte das auch ein Hinweis sein, was mir noch bevor stand? Ich ließ mich nicht einschüchtern und weiter gings zum Kremper Marktplatz. Den erreichte ich nach rund 13 Kilometern und knapp zweieinhalb Stunden Gehzeit. Und: Es ging mir gut!

Kurz nach Krempe nahm ich eine Bank ein – nein, kein Überfall – und machte eine kleine Pause. Eine Banane, ein Powerdrink, etwas Traubenzucker und ein wenig Sonnenschutz für die Nase und dann ging es fröhlich weiter. Der Weg durch den Ort Süderau führte mich fast nach Grönland. Aber ich nahm den richtigen Weg und so lief ich nach Sommerland, wo es gegen 11 Uhr neben mir hupte: Meine Eltern hatten mich eingeholt. Das hatten wir so verabredet. Wenn man 4 Stunden einsam vor sich her wandert und niemanden zum Reden hat, freut man sich über Abwechslung. So ging es mir bereits auf meiner Fahrradgolftour nach München. Nach einer kurzen Schnackpause, übernahm meine Mutter das Lenkrad und mein Vater begleitete mich knappe zwei Kilometer zu Fuß.

Hinter Siethwende wartete meine Mutter an einem ungewöhnlichen (Gipfel-?)Kreuz. Ich verabschiedete mich von meinen Eltern und da der Fußweg endete, ging ich nun auf der Straße weiter. Nun musste ich gegen entgegenkommende und mich überholende Autos, Busse, Traktoren, LKWs und Fahrradfahrer ankämpfen. Das hatte ich mir wahrlich etwas idyllischer vorgestellt. Hin und wieder wurde mir etwas mulmig, da nicht alle Fahrzeuge Abstand hielten und teilweise recht knapp an mir vorbeifuhren. Erst nach etwas über 5 Kilometern, kurz vor Elmshorn, kam ich wieder auf einen ruhigeren Fußweg.

In Elmshorn führte mich meine Strecke am Wasserturm vorbei, über die Krückau wieder raus aus der Stadt. Leider bald wieder ohne Gehweg. Mittlerweile hatte ich knapp über 30 km Laufstrecke auf den Sohlen und offen gestanden begann nun die Phase, in der meine Beine schwerer wurden. Der Gedanke daran, noch weitere 20 km gehen zu wollen bzw. zu „müssen“ belastete meine Psyche doch. Das waren immerhin noch vier weitere Stunden.

Weitere Unterstützung in Sicht

I

Ich musste mir psychologische Motivationsschübe setzen. Olaf, ein sehr guter Freund von mir, war mit dem Fahrrad auf dem Weg zu mir, um mich die letzten 10 Kilometer zu begleiten. Das war jetzt ein wichtiger Anker für mich. Als er mir per Nachricht schrieb, dass er etwas früher unterwegs war, als verabredet, hatte ich die Hoffnung, dass ich ihn schon bald treffen würde. Und tatsächlich: In der Ferne und bereits bei Kilometer 35 sah ich eine Person, die mir von Weitem mit den Armen entgegenwedelte. Und nicht nur das, die Person gab mir Zeichen mit den Händen auf die Uhr und signalisierte mir damit, dass ich mich vielleicht etwas beeilen sollte. Das war als Spaß gedacht, aber ich hatte wieder Motivation und so nahm ich meine Beine unter die Arme und joggte ihm die 200 m entgegen.

Alter Schwede, nun brauchte ich aber wirklich eine Pause. Wir gingen einen knappen Kilometer weiter und nahmen am Rande von Groß-Nordende auf einer wilden Wiese Platz. Was für eine Erleichterung. Mittlerweile war es 15 Uhr und es gab eine tolle Überraschung. Ich hatte eine Cola (etwas Zucker und Geschmack zum Pushen) und ein Twix bestellt, aber ich fasste es nicht: Olaf zog aus seinem Rucksack zwei Gläser und zwei alkoholfreie Hefeweizen. Wie geil war das denn bitte schön? Etwas Besseres hätte mir in diesem Moment nicht passieren können. Auch wenn ich es gerade nicht richtig zeigen konnte, aber ich war so glücklich und dankbar für diese tolle Erfrischung.

Vor mir lagen nun noch 14 bis 15 Kilometer, also noch ca. 3 Stunden Fußmarsch. Auch wenn es verlockend war, die Pause zu verlängern, so musste ich mich aufraffen und gemeinsam mit Olaf zum Endspurt ansetzen. Olaf lief, das Fahrrad schiebend, neben mir her. Manchmal fuhr er auch ein Stück und so ging es in Uetersen über die Pinnau in Richtung Moorrege durch viel Natur aber auch an einer sich sehr lang ziehenden Bundesstraße entlang. Die Schmerzen wurden größer: Die Knie, die Oberschenkel, die Hüften, die Füße (ich hatte das Gefühl, es würden sich die ersten Blasen bilden) taten dann doch weh. Mit über 50 Jahren zeigt mir der Körper die ersten Grenzen auf. Mental und oberhalb der Gürtellinie, war ich topfit. Die letzten Kilometer fing ich an zu jammern und mein Gang wurde zunehmend unrunder. Armer Olaf! Aber mir tat die Gesellschaft weiterhin gut und wer mich kennt, der weiß, was ich mir in den Kopf setze, das ziehe ich bis zum bitteren Ende durch. Aufgeben gibt es auf gar keinen Fall. Also sind wir einfach weitergelaufen.

Endspurt Appen

Zwischen Moorrege und Appen hatte ich das Gefühl oder viel mehr den Wunsch, dass ich nur noch 1-2 Kilometer vor mir hätte. Doch ein Blick auf die Routenplanung verriet mir, dass es noch über 6 Kilometer waren. Schiet, immer noch so lange. Wow, nun war Olaf gefragt. Es gelang ihm ganz gut, mich abzulenken. Er gab einen Monolog von sich, der mir die Zeit verkürzte.
Alter Falter, auf der Strecke kamen wir an mindestens zehn Bushaltestellen vorbei. Die Verlockung war sehr, sehr groß, an einer Haltestelle stehenzubleiben und den nächsten Bus zu nehmen. Aber bin ich bescheuert? Ich gebe doch nicht jetzt so kurz vor dem Ziel auf.

Olaf und ich vertilgten noch je ein Twix. Olaf meinte, dass wir jetzt bis zum Ziel keine Pause mehr einlegen. Ich schlug unter der Bedingung ein, dass ich im Gegenzug dafür ein anerkennendes Lob erhalten würde. Er lachte, wenn`s weiter nichts ist! Und so trugen mich meine Füße tatsächlich nach elf Stunden ans Ziel, auf den GolfPark Weidenhof. Mega, was war ich glücklich! Kaum auf dem Golfplatz angekommen, empfingen mich meine Familie und mein ständiger Charitybegleiter und Freund Stephan.

Nachts auf dem Golfplatz

Mit meiner Ankunft am Golfplatz, war der erste Teil der heutigen Mission geschafft. Der zweite Teil lag noch vor mir. Denn wir wollten ja noch ein paar Bahnen Golf im Dunkeln spielen.
Warum das? Um auf ein paar Fragen Antworten zu bekommen:
Wie funktioniert es nachts mit dem Scheinwerfer auf dem Platz?
Wie gut sieht man die LED-Leuchtbälle?
Wie gut kann man mit den Leuchtbällen überhaupt spielen?

Bevor es auf den Platz ging, gab es aber erst einmal Schnitzel, Roastbeef, Currywurst, Pestonudeln und ein schönes Bier für alle. Die Stärkung tat gut, gab Kraft und tatsächlich war ich nach kurzer Zeit wieder in der Lage, auf den Golfplatz zu gehen. Da es jedoch ziemlich frisch wurde, entschieden wir, statt 18 wenigstens 9 Löcher zu spielen. So ganz traurig war ich nicht darüber.

Ich hatte einen Akku-Baustrahler besorgt, den wir mit Kabelbindern auf einen Trolley befestigten. Zusätzlich hatte ich LED-Fahrradlampen dabei, um die Löcher zu markieren.
Wir testeten die LED-Leuchtbälle. Unser Fazit:
die Leuchtkraft ist absolut klasse und man sieht die Bälle richtig gut. Die Flugeigenschaften können noch deutlich verbessert werden. Zum Glück muss ich ja im Juni damit vorrangig vorwärts kommen.

Ich bin wirklich guter Dinge, die Nachtrunde während des Golfmarathons vernünftig zu absolvieren. Auf unserer Testrunde waren Stephan und ich gar nicht so schlecht. Auf 9 Löcher haben wir immerhin 2x Par und 4 Bogeys gespielt. Es lief besser als gedacht. Danke für den tollen Support Stephan!

Ich habe den Tag mit Schmerzen, aber mit großer Euphorie und Vorfreude auf den 17./18.6.2022 beendet. Dann heißt es nämlich: GOLFMARATHON zugunsten der NCL-Stiftung und zugunsten des Lions Clubs Ellerbek-Rellingen.

Vielen Dank an alle, die diesen Tag mal wieder so unvergesslich für mich gemacht haben!

Bis bald, Euer Dirk

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